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Mit dem Bericht "Prismenwirkungen ..." bekommen Sie einen Beitrag aus unserer Familie zu lesen (gesplittet in 6 Teilabschnitte).

Dieser Artikel wurde 2006 als Beitrag für einen zweiten Band: "Winkelfehlsichtigkeit" geschrieben. Die Veröffentlichung steht aus.

Kommentare

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  • Marzena Markowski(Dienstag, 31. Januar 2012 10:14)

    Ich möchte mich nochmal herzlich für Ihre akribische Arbeit bei der Messung und Anfertigung der Prismenbrille bedanken. Die Qualität ist bei Ihnen das höchste Gut und das spüren meine Augen, sind entlastet und ich bin glücklich, dass ich mit der Brille wunderbar lange lesen und am Computer arbeiten kann. Dazu nochmal Anerkennung für Ihren Sohn, dass ich mich damit auch noch sehen lassen kann;). Und nicht zuletzt danke an Ihre Frau für die familiäre Atmosphäre. I

  • Michael Otto(Samstag, 30. Oktober 2010 21:40)

    Ich bin dankbar für die sehr gute und kompetente Beratung durch die Familie Mosch. Seit Anpassung meiner Brille sind meine starken Kopfschmerzen, die durch einen Fahrradunfall 2006 ausgelöst wurden, sehr deutlich gelindert worden. Meine Sehfähigkeit ist viel besser geworden, ich hätte das Geschäft schon Jahre früher aufsuchen sollen.

  • Prismenwirkungen ... (Teil 6)(Freitag, 06. November 2009 21:19)

    Zum Schluss möchte ich ein weiteres Thema ansprechen, was leider auch unsere weitere Verwandtschaft tangiert. Durch etliche Beobachtungen und auch einige Erfahrungen in der augenoptischen Praxis erlebe ich enge Zusammenhänge zwischen Depressionen, bis hin zur Schizophrenie, die mit Binokularstörungen einhergehen und evtl. eng zusammen gehören.

    Sehr genau erinnere ich mich an den Fall einer psychisch kranken Kundin, die schon seit einigen Jahren MKH- versorgt war. Die medikamentöse Dosis war in diesen Jahren beständig reduziert worden. Nun saß sie wieder einmal auf meinem Prüfstuhl und zeigte eine mir an ihr neue, beständige tickartige Unruhe. Plötzlich erklärte sie mir, dass ich mich durch ihre Unruhe nicht stören solle, da diese die Folge einer seit acht Tagen versuchsweise schwächeren medikamentösen Dosierung sei. Diese Unruhe halte voraussichtlich über 2-3 Wochen an. Ich war etwas erschrocken, dass sie dieselbe auch selbst registrierte.
    Nun ergab es sich gegen Ende der Messung, dass ich kurz eine Brillenabgabe kontrollieren sollte. Meine Kundin nahm derweil mit der Messbrille kurz im Warteraum Platz. Nachdem ich sie wieder in den Prüfraum gebeten hatte fiel mir und ihr erfreut auf, dass der unruhige Tick verschwunden war. Dies erbrachte ihr damals sogar eine von ihrer Kasse verlangte Verordnung über ihren hierauf angesprochenen Augenarzt, der solchen Verordnungen im allgemeinen ablehnend gegenüber stand.

    In einem anderen Fall wurde ein junger Kunde korrigiert und wohl zu bald auch operiert. Im Gegensatz zu der Aussage des operierenden Facharztes ergab sich nach dem Eingriff kein störungsfreies Sehen, wie ich später feststellen musste. Der Kunde hegte Suizidängste, wurde medikamentös behandelt und psychologisch betreut. Einen Zusammenhang mit dem Sehen hatte er für sich selbst nicht registriert. Es war eine Fügung, die ihn mit mir wieder in Verbindung brachte. Ohne darauf gedrängt zu haben, fielen die genannten Belastungen innerhalb kurzer Zeit ganz wesentlich von ihm ab und er konnte alle nach dem Eingriff am Auge eingeleiteten Maßnahmen positiv abschließen. Die Brille wurde mehrfach geändert, interessanterweise reduzierte sich der anfangs kontroverse WF-Wert wieder in Richtung des operierten Wertes, mit einem geringem Restfehlbetrag in Höhe und Seite, der nun weiterhin in der Brille getragen wird.

    Ich selbst war früher nie belastbar und nie ausdauernd in einer Aufgabenverfolgung. Und meine latent hinzu gewonnene Altersdiabetes wird unter guter Korrektion weit weniger auffällig registriert.

    Als ich solche Zusammenhänge jüngst einer Kundin gegenüber nur leicht andeutete, sprang sie darauf sofort an und fragte, ob ich das wirklich für möglich hielte. Es würde ihr gar manches persönlich erklären helfen, was ihr ein großes Tabu und schreckliches Geheimnis sei. Ich meinte dies bestätigen zu können, auch wenn ich an die Albträume unserer Tochter dachte, die als Kleinkind oft fiebernd und fantasierend aus Bett und Zimmer trat, und hinterher von nichts mehr wusste, wenn wir sie beruhigend angesprochen und frisch umgekleidet wieder zu Bett bringen konnten. Glücklicher- weise war dies mit den Korrektionen der Winkelfehlsichtigkeit Vergangenheit.

    Paul-Gerhard Mosch

  • Prismenwirkungen ... (Teil 5)(Freitag, 06. November 2009 21:18)

    Auch mein Sehen belehrte mich, sehr gewissenhaft in Sachen MKH zu arbeiten.

    Beim ersten Kongress der Internationalen Vereinigung für binokulare Vollkorrektion (IVBV) wurde ich als Praxis-Opfer unter ca. 35 Teilnehmern des Seminars ausgewählt.
    Auf meinem Fragebogen, der vorher Befindlichkeitsmängel auflisten sollte, war nur vermerkt, dass mir nach Kongressen oft der Kopf rauschte und ich nach langen Fahrten (z.B. hier 600 km bis in die Schweiz) erst einmal lieber die Ruhe pflegte. Sonst hätte ich keine Beschwerden!
    Als der einsammelnde Referent meinen Kommentar las, fragte er, wie es denn mit mir sei, und ob ich für eine Messung zur Verfügung stände. Ich sah darin kein Problem und gab an, dass ich schon lange prismatisch versorgt sei.
    Doch solch eine Messung hatte ich vorher noch nie erlebt. Die (Kreuz-)Balken zitterten, wurden grau, verschwanden sogar und die Angaben ließen sich von mir kaum noch mit Sicherheit ausdrücken. So zeitaufwändig war bei mir noch keine Messung geplant worden. Endlich war der Messdurchlauf beendet. Der Seminarleiter war gar nicht so überrascht und empfahl mir die Korrektion dieser Brille. Zum ersten Mal war ein höherer Messwert ermittelt worden, um ca. 2.0 cm/m im Seiten- und im Höhenwert.
    Mich überraschte damals eher manch ängstlicher Kommentar anderer Teilnehmer im Seminar, ob ich mir eine solch starke Brille wirklich machen wolle. Mir selbst kam der Messwert gegenüber den bislang getragenen Prismenwerten so erheblich anders jedoch nicht vor. Überrascht war ich dann allerdings von der positiv plastischen Wirkung der so angefertigten Brille. Solch ein Sehen hatte ich bislang nicht gekannt. Außerdem war es mir, als hätte man mir einen drückenden Schleier vom Kopf gezogen, ich meinte direkt klarer denken zu können. Diese Erfahrung habe ich später bei Folgebrillen so nie wieder verspürt.
    Vom Sommer 1988 bis März 1993 wurden weitere jeweils leicht modifizierte Korrektionen im Abstand von ca. 1 bis 1 1/2 Jahren angefertigt. In dieser Zeit lernte ich selbst die Grundlagen der MKH auf Seminaren, Kongressen und in der praktischen Anwendung kennen. Mein Höhenwert war auf ca. sieben cm/m gestiegen, der Seitenwert verhielt sich hierzu ähnlich. Die Messdurchläufe waren aber weiterhin sehr langwierig, ich hatte immer das Gefühl, nicht richtig antworten zu können. Jede Korrektion war aber spürbar besser als die vorher getragene Brille, es fehlte nur das positive Erleben der ersten Korrektion nach MKH.
    Zum Abschluss der Messung im März 93 fragte ich, ob es sinnvoll sein könne, wenn ich regelmäßig 1/4 –jährlich messen ließe, da ich in diesem Rhythmus teils gute Erfahrungen bei eigenen Kunden mit verkrampftem Sehen gemacht hatte. Warum auch nicht, wurde mein Wunsch aufgenommen. Das Resultat überraschte nicht nur mich. Im August wurden 18.o cm/m Basis außen zu der relativ stabilen Höhe, im Oktober 27.5 cm/m gemessen. Im Mai darauf gab es einen Eingriff bei vorher 31.0 cm/m gemessenem Seitenwert. Den Höhenwert wollte der Operateur beim Eingriff etwas reduzieren, aber dieser bliebe mir wohl im Wesentlichen erst einmal erhalten. Heute, nach über 12 Jahren, hat sich dies vollauf bestätigt.
    Überrascht hat mich besonders das Sehen, was ich seit der 27-er Brille immer noch genieße. Früher war ich handwerklich nie ganz ungeschickt, aber oft fahrig und nicht selten unkonzentriert bei der Sache. Besonders unbeliebt waren mir Hartlötungen an Brillenfassungen mit offener Flamme. Nach kurzer Zeit fing ich an, fahrig und zittrig zu werden. Ob eine Lötung gelang, kam mir immer wie ein Zufall vor. Jetzt erlebte ich, dass ich diese ungeliebte Arbeit weit konzentrierter und ruhiger ausführen konnte, es machte mir über Vierzigjährigen erstmals Spaß, diese Tätigkeit einem Lehrling vorzuführen.
    Eines Tages fiel mir wieder ein, wie ich bei der Meister- , aber vorher besonders bei der praktischen Gesellenprüfung alles „Husch – Husch“ angefertigt hatte. Obwohl die Zeit auf 40 h angelegt gewesen war, hatte ich nach 20 h alles abgegeben und nach weiteren 3-4 h Aufräumarbeit das Feld verlassen. Noch heute weiß ich um die instinktive Angst in mir, dass mir immer dann, wenn ich etwas besonders schön anfertigen wollte, mir dies im letzten Moment durch irgend eine Unachtsamkeit missraten könnte. Übrigens, war die Teilarbeit, der von mir zusammen gelöteten Metallfassung, trotz positiver Bewertung, wohl erst auf dem Rücktransport zu mir gebrochen. Jedenfalls war die kalte Lötstelle die vergebene Note nicht wert. Meine Unsicherheit im Löten blieb bestehen, und ebenfalls das Problem, gerade bei einfacheren Arbeiten sehr unachtsam zu sein. Als Geselle in einem Stuttgarter Fachbetrieb gab man mir gerne kompliziertere Fertigungsaufträge, wogegen Einfachstaufträge und natürlich aufwändige Bohrbrillenmontagen, nicht mein Fall waren. Daher war ich oft nicht mit mir zufrieden, ich konnte mich selbst auch überhaupt nicht gut einschätzen. Nun gab es hierfür offensichtlich eine augenoptische Erklärung. Ich war perplex.

  • Prismenwirkungen ... (Teil 4)(Freitag, 06. November 2009 21:16)

    An meiner Frau und an mir zeige ich weitere Hinweise auf.

    Ein Bruder meiner Frau schielte schon als Kind und wurde im Alter von 11 Jahren schieloperiert. Heute trägt auch er prismatische Brillenwerte und kann so seine Arbeit als EDV- Techniker im Außendienst besser regeln. Vorher gab es plötzlich einsetzende Doppelbilder in der Nähe, oder auch bei Autofahrten in der Dämmerung. Was lag näher, als in der Linie meiner Frau die Ursache für die teilweise hohen Korrektionen unserer Kinder zu sehen. Allerdings war meine Frau schulisch ein absoluter Einser-Kandidat gewesen und auch alle Versuche, eine Winkelfehlsichtigkeit zu orten, schlugen anfangs bei ihr fehl. Diesbezüglich, vorerst allerdings noch unbeachtet, blieb ein Tinnitus mit Hörverarbeitungsstörungen, die fachärztlich bei meiner damals erst 35-jährigen Frau, zu ihrem Ärgernis, als beginnende Altersschwerhörigkeit diagnostiziert wurde. Hinzu kam eine sehr große Kreislaufschwäche, die ihr immer wieder neu sehr große Not machte. Organisch ergaben sich auch hier keine Befunde und selbst eine Untersuchung in der Röhre verlief ergebnislos. So nahm ich dann die Messung des Sehens noch einmal zu einem Zeitpunkt vor, an dem sie eigentlich aus Erschöpfung nur noch ihrer Ruhe bedurfte. Das Ergebnis dieser Messung überraschte.

    Über zehn Minuten fand sich keine Abweichung an allen bekannten Testen, plötzlich gab meine Frau nach einer Panummassage (beständiges Wechseln der Polfilter) an, zwei Polatest-Messgeräte nebeneinander zu sehen. Bei 20 cm/m (Basis außen) war das Polatest-Messgerät wieder zu einem Kasten geworden und bot wieder das symmetrische Kreuzzeichen. Die hiernach gefertigte Brille brachte meiner Frau zwar zwei Wochen lang Unsicherheit und Angst vor dem Autofahren, aber der Kreislauf selbst war umgehend stabiler geworden. Später stellten wir eher durch einen Zufall fest, dass das Hörproblem nicht mehr existierte. Allerdings ist sie auch heute noch ungern in großen Menschenmengen und die Schwäche des Kreislaufs ist ihr letztlich geblieben, auch wenn die Spitzen heute bei weitem weniger stören. Zudem kennen wir mittlerweile auch bei ihr Funktionsstörungen der Schilddrüse, die behandelt werden.

    Aus den 20 cm/m wurde sehr bald eine 40-er Prismenbrille, relativ zügig fand auch die OP statt. Nun habe ich leider anschließend selbst einen großen Fehler begangen. Im Vertrauen auf den mir bestens bekannten Operateur ging ich von einer positiven Entwicklung aus und ignorierte Anzeichen von Sehstörungen bis hin zu DB bei meiner Frau. Erst nach einem ¾ Jahr berichtete ich dem Operateur diese Nöte, worauf dieser mich veranlasste, umgehend den ermittelten Messwert voll zu korrigieren. Es waren 20 cm/m (Basis innen). Erst fünf(!) Jahre später sollte sich zeigen, dass die OP korrekt ausgeführt worden war. Das Sehsystem hatte eindeutig die ursprünglich verspannte Stellung eingenommen und ertrug deshalb sogar DB. Nur eine Höhenkomponente fließt z.Zt. weiter in die Brillenkorrektion ein. Inwieweit meine eigene Unerfahrenheit vor über 10 Jahren den Korrektionsablauf beeinflusste, kann ich heute nicht mehr einschätzen. Mir blieb aus diesem Geschehen heraus zweierlei haften:

    1) Es ist sicher nicht gerechtfertigt, bei Befindlichkeiten, die typischerweise mit Sehstörungen in Zusammenhang stehen könnten, vor allem, wenn medizinische Untersuchungen erfolglos bleiben, vorschnell eine WF auszuschließen.

    2) Darüber hinaus halte ich besonders bei untypischen Anfangsverläufen und sehr raschen operativen Eingriffen eine gründliche Nachsorge und Betreuung für wesentlich.

    3) Auch bei Problemen dürfte die OP-Dosierung selbst bei extremen Gegenreaktionen allermeist gestimmt haben, aber der Betroffene darf sich anschließend keinesfalls selbst überlassen bleiben. In diesen Fällen, die ja nur sehr selten auftreten, sollte das Defizit durch Korrektion sehr gewissenhaft und zügig angegangen werden. Vielfach reguliert sich die Fehlreaktion in der Fixation oft schon während einer Ausmessung auf einen deutlich abgeschwächten Level.

    4) Heute wird in Zusammenarbeit mit dem Operateur in einem solchen Fall immer sehr gezielt eingegriffen und es kann eine unproblematische Entwicklung bestätigt werden.

  • Prismenwirkungen ... (Teil 3)(Freitag, 06. November 2009 21:12)

    Unsere Tochter A. war vom Typ eher ängstlich und zurückhaltend. Sie galt als ungeschickt und wäre, wenn es nur nach der Lehrerin gegangen wäre, unbedingt ein Fall für die Sonderschule gewesen. Als Eltern hatten wir uns vehement dagegen gewehrt. Sie wechselte später auch auf die Hauptschule, führte dort aber eher ein Schattendasein, auch noch zu der Zeit, als ich die Kenntnisse in der MKH bei ihr einsetzte. Erst später blühte sie richtig auf und ist jetzt mit Freude Krankenschwester. Notwendig war auch hier anfangs eine WF-OP. Ihre zwei Kinder werden jetzt erstmalig im Alter von 2 ½ Jahren und 1 Jahr auf Störungen im Sehen hin untersucht. Hätten sie geschielt, wäre eine Untersuchung im Alter von drei Monaten bei einem spezialisierten WF-Facharzt unbedingt sinnvoll gewesen.

    Tochter D. wurde ohne Schilddrüse geboren. Dennoch konnte sie eine normale kindliche Entwicklung durchlaufen. Sehr aktiv, sprunghaft im Wesen und sehr tierlieb war es nicht immer leicht, ihre Eskapaden zu begleiten. Hier zeigten sich gleichfalls höhere Prismenwerte. Als der vereinbarte OP-Termin anstand, fand der Operateur bei der vorhergehenden Messung 4.0 cm/m weniger, und riet von dem geplanten Eingriff ab. Bis heute springen hier die Messwerte zwischen 10 – 20 cm/m, Debora trägt Brille eher unregelmäßig und ist zusammen mit einer weiteren Schwester auch heute noch nicht operiert.
    Merke:
    Die Schilddrüse beeinflusst durch ihre Hormone indirekt auch die Steuerung der Augenfixierung.

    Vier weitere jüngere Geschwister konnten von der Grundschule direkt auf das Gymnasium wechseln. Wir sind überzeugt, dass dies ein Verdienst der MKH war. Teilweise habe ich diese Kinder schon mit drei bis vier Jahren prismatisch versorgt. Alle haben einen guten schulischen Abschluss gemacht. Im Laufe der Jahre gab es in unserer Familie 12 WF-OPs und wir sind der Ansicht, dass einige schwere Auffälligkeiten dadurch enorm gelindert wurden. Nach der OP der jüngsten Tochter traten z.B. Alb- und Fieberträume mit völliger Verwirrtheit nicht mehr auf. Die zweitjüngste Tochter, die ebenfalls drei Eingriffe hatte, meinte noch vor der dritten OP, wohl einen unentdeckten Tumor im Kopf zu haben, so schwere Störungen und Beschwerden erbrachten ihr das Sehen. Heute ist sie beschwerdefrei und studiert z.Zt. Lehramt für Sonderpädagogik.
    Merke:
    Teilweise ist der jeweils verbliebene Restfehler für wesentliche Beschwerdebilder verantwortlich.

  • Prismenwirkungen ... (Teil 2)(Freitag, 06. November 2009 21:05)

    Hauptteil:

    Unser Sohn D., der heute ebenfalls als Augenoptikermeister mit im Betrieb arbeitet, ist feinmotorisch (Werkstattarbeit) überaus geschickt. Das war aber nicht immer so. Auch das Lesen war ihm früher sehr verpönt.

    Ich erinnere mich an eine Gegebenheit, als er im dritten Schuljahr aus der Stadtbücherei ein Tierbuch mit nach Hause brachte. Er war immer an allem interessiert, so auch an diesem Buchinhalt. „Papa, lies doch mal, was unter dem Bild steht,“ forderte er mich am Mittagstisch auf. Meine mir bis heute noch bewusste Gegenreaktion: „Du bist im dritten Schuljahr, bitte lies es selbst!“ Spontan entgegnete er, „Aber es ist so klein, ich kann das nicht lesen.“ Ich ließ mich damals nicht erweichen, das war mir nun doch zu dumm. Die zwei Zeilen unter dem Bild sollten doch für ihn kein Problem darstellen. Er war mir einfach zu faul. Das er gleichzeitig sehr wissensdurstig, ja wissbegierig war, versöhnte mich nur halb. Noch am Ende der Hauptschulzeit war er stolz darauf, bislang kein Buch komplett selbst durchgelesen zu haben.

    1988 im sechsten Schuljahr bekam er eine erste Messung nach MKH. 16.0 cm/m (Basis außen) waren das Ergebnis dieser Messung. Das war mehr als das Doppelte, was ich bislang in einer Brille umgesetzt hatte. Skeptisch brachte ich die angefertigte Brille mittags nach Hause mit. Beim Rückweg zur Arbeit sah ich Daniel mit der neuen Brille auf seinem Fahrrad, ängstlich rief ich ihn zu mir, um ihn zu ermahnen, z.Zt. das Radfahren doch besser noch zu unterlassen. Er aber lachte mich aus und meinte, es ginge jetzt doch viel besser.
    Und, oh Wunder, der Junge, der vorher drei Brillen verloren hatte, weil er sie überall liegen ließ, trug diese Brille sogar unter der Dusche. Und es geschah nicht selten, dass sie ihm noch nachts beim Schlaf abgenommen werden musste. Meine Hoffnung, dass sich jetzt die Schulnoten verbessern würden, wurde allerdings anfangs enttäuscht. Eher unmerklich entwickelte sich im Laufe der weiteren Schuljahre der Notenspiegel positiv. Das beste Abschlusszeugnis der Sekundarstufe II teilte er sich dann aber doch noch mit einer Klassenkameradin.

    Hier möchte ich die Erfahrung einer Kundin einflechten, der ich im gleichen Jahr eine Brille mit 18.0 cm/m fertigte. Sie arbeitete am PC und hatte beinahe täglich heftige Migräneattacken. Schon nach ca. einer Woche kam sie aber mit der Brille nicht mehr klar und wollte diese reklamieren. Am Sehprüfgerät ermittelte ich jetzt gleich um 15 cm/m höhere Werte. Gemeinsam suchten wir einen Augenarzt als Spezialisten in Berlin auf. Dieser fand eine Korrektion von über 40 cm/m und empfahl einen Eingriff am Augenmuskelsystem. Da dies die Kundin ablehnte, schilderte der Facharzt eine fiktive Geschichte, um uns beiden eine Brücke zum Verständnis zu bieten. Ich habe sie bis heute nicht vergessen. Hier ist sie:

    „Stellen Sie sich vor, Sie haben von einem Aussichtsturm gehört, der Ihnen einen hervorragenden Ausblick bieten soll. Dort angekommen, finden Sie eine Waldlichtung vor, auf der ein gemauerter Turm steht. Die kleine Lichtung selbst erlaubt keinen weiten Blick, also steigen Sie tapfer in das Turminnere. Jede Treppenstufe sei hier nun einem kleinen Prisma zu vergleichen. Aber sehen können sie erst recht nicht viel, zumindest nicht, bis Sie auf die erste Plattform kommen. Hier haben Sie eine Aussicht, die sich gerade über die Baumwipfel erstreckt. Die Aussicht ist viel besser als unten vor dem Turm. Nun entdecken Sie eine Treppe, die noch höher führt und geraten wieder in den engen Turm. Der Blick ist wieder gefangen. Zur Zeit kann man noch nicht sagen, wie viele Plattformen dieser Turm hat. Jedenfalls erwarten wir eine oberste Plattform, die beste Sicht bietet. Jedoch ist sie nur mühsam Schritt für Schritt und leider nicht per Aufzug erreichbar.“

    Soweit die Geschichte selbst. Der Kundin wurde noch der Rat gegeben, die von mir gefertigte Brille immer nur dann kurz zu tragen, wenn sich ein Migräneanfall meldet. Einfach anstatt die Medizin zu schlucken. Dieselbe aber sofort wieder abzulegen, wenn die Attacke abklingt. Der Erfolg gab diesem Ratschlag recht, Nach ca. 1 ½ Jahren ließ die Kundin auch den Eingriff am Auge folgen und ist seitdem ein anderer Mensch.
    Merke:
    Auch große Störungen können behoben werden.

    Sohn D. wurde sehr bald schon operiert, mit 14 Jahren fuhr er Mountainbike-Touren und wieder verlangte er Prismen, mit 18 Jahren Auto, die Korrektion erhöhte sich und eine zweite OP (Basis außen) wurde fällig. Später in seiner Meisterschulzeit offenbarte sich noch ein Restfehler als Höhenkomponente, der zwischenzeitlich in einer dritten OP erfolgreich korrigiert wurde.
    Schon vor der dritten OP erstaunte uns die Präzision seines Sehens und die handwerkliche Umsetzung, ebenso auch seine sehr gute Auffassungsgabe und Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge gut aufbereiten zu können. Hier zeigte sich eindeutig, dass die visuell gefestigte Auffassungsgabe zu einem Lebensgewinn wurde. Merke:
    D. ist ein Beispiel, wie erhöhte Anforderungen dazu führten, dass Restfehler störten und dadurch erst einer Messung zugänglich wurden. Gezielte Messungen greifen zwar oft vorher, aber bei D. war erst der Leidensdruck die Motivation zur Lösung der erkannten Probleme.

  • Prismenwirkungen ... (Teil 1)(Freitag, 06. November 2009 20:57)

    Einführung:

    Ein Lichtbündel wird durch prismatische Wirkung aus der ursprünglichen Richtung abgelenkt. Es bildet sich ein Winkel zwischen dem einfallenden und dem ausfallenden Lichtstrahl.

    Diese physikalische Gesetzmäßigkeit der physikalischen Optik führte in meinem zweiten Lehrjahr als Augenoptiker zu einer persönlich praktischen Erfahrung in Sachen Sehen. Meine neue Brille bekam definierte prismatische Wirkungskomponenten zu der Korrektion der Hornhautverkrümmung bei bestehender Übersichtigkeit. Das Sehen war spontan vorteilhafter und besser. Um drei cm/m wurden die Bilder des rechten und linken Auges in Höhe und Seite zueinander anders positioniert. Mein „Lehrherr“ korrigierte schon in den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit positiver Resonanz an dem damals neuen Zeiss-Polatest.

    Als Augenoptikgeselle lernte ich dann die Warnungen vor den sogenannten Prismenbrillen kennen. Persönlich konnte ich in der Korrektion zwar (bei geringen Einbußen) auf eine Seitenkomponente dieser Korrektionswirkung (scheinbar) verzichten, aber ohne die Höhenkorrektion der Bildlagen ergaben sich bei mir Kopfschmerzen.

    1977 – 79 studierte ich in Köln an der Meisterschule in vier Semestern Augenoptik und lernte verschiedene Arten zur Korrektion von Heterophorien (latente Schielformen) kennen. Besonders beliebt waren von den Dozenten graphisch ermittelbare Werte, die nach Regeln unterschiedlicher Autoren (teilweise) zu 1/3 bzw. 2/3 in Korrektionen einfließen durften.
    Merke:
    So blieb in der Lehre alles im Fluss, trotz intensiver Theorie.

    Der Hinweis eines Fachdozenten „Prismen mit 2-3 cm/m in der Höhe erzeugen unkorrigiert beständige Doppelbilder (DB)“, so im theoretischen Unterricht doziert, zeigten mir endgültig, dass ich mich diesbezüglich wohl besser dem Wissen meines alten Lehrherrn anvertrauen könnte. Dabei vergewisserte ich mich damals jedoch mit schnellem Blick mal über und mal durch meine Brillenlinsen, dass dies nicht stimmte.
    Merke:
    Traue nur noch deinen Seheindrücken.

    Die Tätigkeit als Augenoptikermeister spiegelte anschließend meine persönlichen Erfahrungen mit Prismen wieder. Ernüchternd bis heute bleibt für mich allerdings die bittere Erkenntnis, erst in den Jahren 1987 – 88 die Grundlagen der MKH persönlich kennen gelernt zu haben. 17 Jahre Augenoptik bei eindeutig positiv reflektierter Verfahrenstechnik mit prismatischen Korrektionen lagen hinter mir.
    Merke:
    Es werden bis heute prismatische Wirkungskomponenten ermittelt und umgesetzt, die gar nicht so selten die Grundlagen der MKH bewusst oder auch nur unbewusst ignorieren.

    Die ersten Jahre angewandter MKH waren nun bei mir geprägt von intensiver Fortbildung und von Erfahrungen, die sich insbesondere aus dem eigenen Familienumfeld heraus bildeten. Hiervon gibt dieser Beitrag anekdotenhaft Erfahrungen für Anwender und auch für Betroffene weiter. Bewusst wird hier weitestgehend auf eine fachspezifische Formulierung verzichtet.

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